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Diskussionsrunde: Von der Begabung zum System – Teil 2 von 4

5. August 2010

Anlehnend an den ersten Teil, gebe ich in Teil 2 Zitate aus der bestehenden Diskussion des Artikels „Heimliche Hochbegabung? Förderung genialer Potentiale“ wieder.

„Wunderkinder – wie z.B. Wolfgang Amadeus Mozart – werden von klein auf streng ausgebildet. Kindheit ade? Mozarts spätere Streitigkeiten mit dem Vater könnten da möglicherweise Auskunft geben. Hochbegabungen – insbesondere solche der Savants – gehen mit Behinderungen in anderen Bereichen einher.“

Über diese Sätze von Monika, die enorme Kräfte „zwischen den Zeilen“ bereithalten, wies sie mich auf einen Herrn Jacoby hin, „ein vergessener Pädagoge und Philosoph, der zu diesem Thema bereits vor knapp 100 Jahren gründlich geforscht hat“ und empfahl sein Buch: Jenseits von „Begabt“ und „Unbegabt“. Außerdem verlinkte sie, im Laufe der Unterhaltung, auf 2 Seiten (Jacoby 1, Jacoby Homepage)

Ich schrieb „Begabung und Unbegabung sind Worte, die für mich schwammig sind, denn sie sind nicht an etwas Konkretem festzumachen, sind eine Wertung und ein Urteil.“

Monika schrieb mir, dass Jocoby meint, Begabung gibt es nicht.

Begabung erkennen und in einem Balanceakt „richtig“ fördern, ohne zu überfordern! Das ist das Ziel.

Welche Rolle spielt das Umfeld? Was zeigt uns der Umgang mit Begabung oder Minderbegabung in unserer heutigen Gesellschaft und was sagt uns dieser Umgang über unser Bildungssystem im allgemeinen und speziellen?

Monika schreibt: „Die Kinder werden so gut wie nicht ‘auf Augenhöhe’ miteinbezogen. ‘lernen’ so glaubt man immer noch, werde durch ‘lehren’ ermöglicht. Noch immer werden Bildungswillige und –eifrige mit Bildungsinhalten ‘gefüttert’, anstatt sie zu eigenständigem ‘lernen’ anzuregen.“

Der Bogen spannt sich zu der heutigen Interpretation des Begriffes der Bildung.

Ich schrieb: „Halt, Anerkennung und Wertschätzung- diese 3 Wörtchen können sehr zur Entfaltung beitragen.“

Monika stellte mir die Frage, was genau ich verbessern möchte:

„Ich denke, dass es anfängt, indem jeder Einzelne sich auseinandersetzt und dies weitergibt!
Aber eine Gesellschaft (die Mehrheit) zur Auseinandersetzung zu bewegen?“

Monika antwortete: „Veränderung von Sichten ist eine schmerzhafte Angelegenheit.“

Im weiteren Verlauf verlinkte Monika die Seite von Lars-Michael, als einen „der viel vom Lernen und Lernproblemen versteht.“

Monika und ich tauschten uns über Dewey aus und seine Gedanken und Umsetzungen.

Sie schrieb: „Deweys Schulkonzept, in denen Schüler eigenständig lernen ermöglicht werden sollte, reißen mich heute noch mit. Sie entsprechen meinen Wünschen und Vorstellungen von einer „richtigen“ Schule. „Education ist life und school is society“.
Die Schule für Kinder und Jugendliche sollte auf diesen offenen Lernraum vorbereiten. Deshalb ist es wichtig, dass ‘learning by doing’ geschieht und nicht – wie üblich – Lernen durch Zuhören und Auswendiglernen.“

Lars-Michael klinkte sich in diesem Moment bereichernd ein und griff angerissene Themenkreise auf. Er berichtete, dass in seinem Fachbereich „nicht wenige Menschen mit Legasthenie auch Hochbegabte sind. Diese Fallen aber immer wieder durchs schulische Raster weil, diese einfach nicht so lernen wie es unserem durchorganisierten System des auswendig Lernens kennt. Ich hab es ja selber auch in meinem Leben in der Schule erlebt. Nur dann im Studium konnte ich, dann selber vieles ganz praktisch Lernen – und es viel mir sehr leicht. Hochbegabte werden in unserem Bildungssystem zu wenig gefördert, und es hapert am System.“

Seine Sätze führten zum Fazit, dass „man sich weiter Gedanken machen, wie man begabte Menschen gezielter fördert. Und wie man die scheinbar weniger Begabten zum Lernen animiert um doch Ihre Bestleistung zu schaffen.“

Ich schrieb: „Ich denke mir, dass auffällige „Schwächen“ mit enormen Stärken korrelieren. Die Frage ist die der Betrachtung! Fokussiert jemand (egal ob Betreffender, Fachmann, Begleiter etc.) die Schwächen, verdrängt diese Art des Sehens die vorhandenen aber verdrängten Stärken.
Das von dir, Lars, angesprochene „durchorganisierte System“ spiegelt dies wider. Und ehe ein Mensch „soweit ist“ selbstbestimmt Bildung zu genießen, geht dem ein langer Prozess voraus […].“

„Die Gesellschaft ist in einer Art Glockenkurve aufgebaut. Die breite Masse wird abgedeckt und Randgruppen links und rechts dieser Kurve zählt untergehen.“

Darüber hinaus wurden die Schulen in freier Trägerschaft angesprochen.

Weiterhin schreibt Lars-Michael: „Ich beschäftige mich mehr und mehr mit Hochbegabung und Legasthenie, und mir fällt auf das wir mit einem durchorganisierten System nicht klar kommen. Da nimmt uns jegliche Lust zum lernen, denn wir sind so ausgerichtet um selber zu lernen. Wir brauchen nur das passende Bildungsumfeld. Bei uns sind aber die Fähigkeiten höhergewichtet, als die Schwächen drum gibt es immer Konfrontationen mit dem bestehenden Bildungssystem.“

Unser Austausch vertiefte sich hin zu grundlegenden Mustern und Funktionen, die einander korrelieren. Die Individualität und der Sog der sozial gesellschaftlichen Masse.

„Aber die Praxis sieht nicht so aus! Des Weiteren wäre es auch wichtig, das es eine gute Elite-Förderung gibt. Diese gibt es hier in Deutschland eigentlich kaum. Zumindest wird hier etwas anderes darunter verstanden. Wenn wir überleben wollen braucht unser Land eine „Hochbildungskultur.“
Es ist richtig das wir von unserem Umfeld geprägt werden, um überhaupt gebildet zu werden. Ich glaube wir müssen uns neu Gedanken machen was Bildung überhaupt bedeutet. Es ist jedenfalls kein auswendig gelerntes Faktenwissen. Denn die Fakten in denen wir uns bewegen, können nicht selten Morgen andere sein. Darum müssen wir lernen zu Denken, um unsere „Welt“ zu verstehen.“ Lars- Michael

Ich schlage vor in den Kommentaren auf entsprechende Zitate zu verweisen. Dennoch möchte ich vermeiden, dass ein Austausch eingegrenzt und eingeengt wird. Es kommt, wie es kommen soll…

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